Antifa Sit-in in Shinjuku

Am 3.2.2019 fand im Tokioter Stadtteil Shinjuku eine rechtsextreme Demo statt, welche von antifaschistischen Protesten begleitet wurde. Im Vorfeld der olympischen Spiele 2020 ist in Tokio eine Diskussion im Gange, wie denn mit etwaigen rassistischen Protesten umgegangen werden soll.

Aufgerufen zur Demo hatte die neofaschistische „Japan First Party“, welche aus der militanten „Zaitokukai“ hervorgekommen ist. Einer der ideologischen Grundpfeiler der JPF ist ihr widerlicher antikoreanischer Rassismus. Dieser richtet sich einerseits die „Zainichi“ genannte koreanische Minderheit, andererseits auch gegen Nord- und Südkorea und deren EinwohnerInnen. Parolen wie „Tötet die Koreaner!!“ sind nichts außergewöhnliches bei ihren Aufmärschen. Die JPF-Vorgängerorganisation „Zaitokukai“ (in etwa: Bürgerinitiative gegen die Sonderrechte der Zainichi) schreckt auch vor militanten Angriffen auf KoreanerInnen und politischen Gegner nicht zurück.

Es war eine der größten Demos seit Oktober 2018, als JPF/Zaitokukai landesweit zum „Anti-Immigranten-Tag“ (反移民デー) aufriefen und etwa in Osaka einige hundert Leute auf die Straße mobilisieren konnten.

Antifa-Mobilisierungsflyer gegen den “Anti-Immigranten-Tag”

Mit Shinjuku suchte man sich diesmal einen symbolischen Ort aus. Mit seinen tausenden Lokalen, Kaufhäusern, dem Rotlichtviertel und Musikclubs ist Shinjuku ständig von Leuten überlaufen. Einheimischen sowohl wie Touristen. Shinjuku ist das eigentliche Herz Tokios.

Größte Antifa-Demo in Tokio seit Monaten

In Japan gibt es zwar ein Anti-Rassismus-Gesetz, dieses ist jedoch ein Papiertiger und eher eine Beruhigungspille für ausländische BeobachterInnen. 2020 finden in Tokio bekanntlich olympische Spiele statt und werden zweifellos internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die „Lösung“ des Problems des rassistischen Aufmärsche wird seitens der Behörden schlicht in einem Verbot fast aller Demos in Shinjuku gesucht, auch antirassistischer. Im Aufruf des „Counter-Racist Action Collective“ (C.R.A.C.) heisst es dazu:

“Tokyo Metropolitan Government enacted anti-discrimination ordinance last year but it was just for show for forthcoming Olympic games. Meanwhile Shinjuku ward office decided to stop issuing rally permissions in all the parks it runs except Shinjuku Central Park. The decision is also made for purpose of reducing hate speech rallies in Shinjuku but has obviously derived no effect at the moment.

And now Japan’s worst and ugliest hate mongers, Japan First Party are planning rally and march just in front of Metropolitan Government building. All we should do is to show Mayor Koike and officers what happens as a result of their omissions. No Pasaran.“

-c.r.a.c.

So erlebte Tokio eine der größten Antifa-Mobilisierungen der letzten Monate. Mehrere hundert Menschen stellten sich der JPF/Zaitokukai in den Weg, auch mit einer Sitzblockade, welche die Faschodemo zwar nicht direkt aufhalten konnte, zumindest aber Staub aufwirbelte. Dass die Simple Taktik der Behörden, Demos schlicht zu verbieten, die RassistInnen nicht hindert, zeigte sich diesmal klar. Die Frage ist aber auch, inwiefern sich C.R.A.C. und andere Antifa-Gruppen mit ihrer Forderung an Bürgermeisterin Koike, das Demoverbot durchzusetzen, nicht ins eigene Fleisch schneiden. Sieht man sich die lange Geschichte der Repression gegen soziale Bewegungen in Japan an, ist es sehr wahrscheinlich, dass Demoverbote in Zukunft auch C.R.A.C. und ähnliche Gruppen treffen werden.

Antifa-Sitzblockade in Shinjuku, @Shimazaki Rody
Photo credits by @Shimazaki Rody
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Die RassistInnen von der Zaitokukai/JPF in Aktion @senakamade_45
Transparent: “Antikoreanische Demo” @rkayama
Photo by @senakamade_45

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